Im Netz gibt es viele Versprechen: Mit Augenübungen, Apps oder Geräten soll die Brille bald überflüssig werden. Dieser Text ordnet ein, was Fachgesellschaften dazu sagen.
Die ehrliche Antwort vorweg: Für Übungen, die Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit verändern, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Pausen für müde Augen sind dagegen ein sinnvolles Thema.
Das sagt die Wissenschaft
Die American Academy of Ophthalmology (AAO) schreibt, es gebe keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Übungsprogramme den Brillenbedarf verringern. Bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus seien Übungen unwirksam. [1]
Belegstärke: begrenzt belegt
Auch zur Kurzsichtigkeit heißt es bei der AAO: Keine der vorgeschlagenen Methoden, etwa Augenübungen, hat nachweislich eine Wirkung gezeigt. [2]
Belegstärke: begrenzt belegt
Übungen ändern an der Alterssichtigkeit nichts: Mit dem Alter braucht man laut AAO eine immer stärkere Lesebrille. [1]
Belegstärke: begrenzt belegt
Smartphone-Apps, die versprechen, die Lesebrille überflüssig zu machen, sind laut AAO wissenschaftlich unbewiesen. [1]
Belegstärke: begrenzt belegt
Die AAO nennt als Faustregel gegen müde Augen am Bildschirm: alle 20 Minuten mindestens 20 Sekunden lang auf etwas schauen, das mindestens 20 Fuß (etwa 6 Meter) entfernt ist. [3]
Belegstärke: begrenzt belegt
Das kannst du tun
Was Übungen nicht leisten
Die AAO stellt klar: Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Übungsprogramme den Brillenbedarf verringern. Bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus nennt sie Übungen unwirksam. Bei Alterssichtigkeit braucht man mit dem Alter eine stärkere Lesebrille, egal was man übt.
Das heißt nicht, dass Augen nie ein Training brauchen. Die AAO nennt eine Ausnahme: Bei der sogenannten Konvergenzinsuffizienz, einer Störung des Zusammenspiels beider Augen beim Nahsehen, können Übungen hilfreich sein. Das gehört in augenärztliche Hände und ist etwas anderes als Übungen gegen Fehlsichtigkeit.
Versprechen wie "Brille loswerden durch Training" sind nicht belegt.
Smartphone-Apps, die versprechen, die Lesebrille überflüssig zu machen, sind laut AAO wissenschaftlich unbewiesen.
Eine Kurzsichtigkeit gleichen nach dem britischen NHS in der Regel Brille oder Kontaktlinsen aus.
Was bei müden Augen am Bildschirm sinnvoll ist
Wer lange auf einen Bildschirm schaut, blinzelt seltener. Laut AAO sind es am Rechner nur etwa 5 bis 7 Mal pro Minute, sonst rund 15 Mal. Bewusstes Blinzeln und ein Blick in die Ferne sind daher einfache Pausen für die Augen.
Die 20-20-20-Regel ist eine praktische Gedächtnisstütze der Fachgesellschaft. Eine Studie zu ihrer Wirkung haben wir nicht geprüft. Nach Angaben der AAO schädigt Bildschirmarbeit die Augen nicht dauerhaft. Ermüden die Augen trotz angepasster Arbeitsumgebung weiter, ist die Augenarztpraxis die richtige Anlaufstelle.
Schau bewusst in die Ferne, zum Beispiel aus dem Fenster.
Blinzle öfter und bewusst.
Stelle dir eine regelmäßige Erinnerung für kurze Pausen ein.
Woran du unseriöse Angebote erkennst
Die AAO sieht keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Übungsprogramme den Brillenbedarf verringern. Sei daher vorsichtig bei Geräten, Kursen oder Apps, die das versprechen (Einschätzung der Redaktion).
Pausen, bewusstes Blinzeln und ein Blick in die Ferne entlasten laut AAO müde Augen. Sie ersetzen keine Messung in der Augenarztpraxis oder bei der Augenoptik. Lass Veränderungen beim Sehen untersuchen, statt sie wegtrainieren zu wollen.
Wann zur Augenärztin oder zum Augenarzt?
Lass Veränderungen beim Sehen untersuchen, statt zu üben. Die Dringlichkeit ordnen wir nach den Fachquellen (NHS England, AAO) ein; die Rufnummern gelten für Deutschland: Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117.
Du hast starke Kopfschmerzen oder eine erweiterte Pupille zusammen mit verschwommenem oder doppeltem Sehen, oder Doppelbilder nach einer Kopfverletzung: Hol dir sofort Hilfe (Notfall: Notaufnahme oder Notruf 112).
Du hast Augenschmerz mit Doppelbildern oder siehst plötzlich doppelt: Such dringend ärztliche Hilfe, zum Beispiel über den Bereitschaftsdienst 116117.
Deine Augen sind trotz Pausen und angepasstem Arbeitsplatz weiter müde oder trocken, oder du siehst verschwommen: Vereinbare einen Termin in der Augenarztpraxis (AAO).
Es tut weh, ins Licht zu sehen, oder ein Fremdkörper oder eine Verletzung betrifft das Auge: Hol dir sofort Hilfe (Notfall: Notaufnahme oder Notruf 112; NHS Red eye).
Du hast ein sehr schmerzhaftes, gerötetes Auge: Such dringend ärztliche Hilfe, zum Beispiel über den Bereitschaftsdienst 116117 (NHS Red eye).
Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Hilfsmittel, die dabei praktisch sein können
Ein Produkt gegen Fehlsichtigkeit gibt es hier nicht. Als Pausenhilfe passen ein Timer oder Zubehör für einen gut eingerichteten Arbeitsplatz. Blaulichtfilter-Brillen empfiehlt die AAO nicht. Wichtiger als jedes Produkt sind meist die Gewohnheiten oben.
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